Kumano Kodo
Japan
Drei Geschenke
Hanako wuchs in Tanabe auf und Koushi wuchs in Tanabe auf. Koushi hatte eine Zeitlang Hanakos Vater als Mathematiklehrer. Niemals hätte er in jungen Jahren daran gedacht, dass er sich in die Tochter seines Lehrers verlieben sollte. Aber so kam es.
Nachdem er sich dagegen entschieden hatte, den Beruf seines Vaters, den eines Bauern, zu übernehmen, wählte Koushi die Ausbildung in einer Bank. Genauso Hanako. Zum Entsetzen ihres Vaters verweigerte sie, zum Studium nach Osaka zu gehen. Stattdessen wollte sie lieber in der Provinz bleiben und eine Banklehre beginnen.
Hanako und Koushi hatten noch kein Wort miteinander gesprochen, da munkelten die Kollegen, dass sie einander mögen würden. In einer Pause redeten sie zum ersten Mal miteinander. Nach einer Betriebsfeier brachte Koushi Hanako nach Hause.
Hanakos Familie lebte in einem Herrenhaus in der Mitte der Stadt. Das Haus von Koushis Familie lag hingegen in einem Tal vor den Toren Tanabes.
Nachdem sie geheiratet hatten, gebar Hanako zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Sie blieb zu Hause, um sich um die Kinder zu kümmern. Koushi arbeitete in einer Bank. Dann starb Koushis Vater. Und mit dessen Tod eröffnete sich die Frage, was aus dem Bauernhof der Familie werden sollte. Der Hof produzierte Ume, eine saure Pflaumensorte, aus der Schnaps gemacht wird. Den Hof weiterzuführen, war keine Frage des Geldes. Mit dem Verkauf von Ume an die Genossenschaft konnte man nicht viel verdienen. Es war eine Frage der Tradition.
Schon einmal hatte sich Koushi dagegen entschieden, den Hof zu übernehmen. Das war lange her. Nun hatte er eine Frau, er hatte zwei Kinder, zusammen hatten sie zwei Autos und ein Haus in der Stadt. Mehrfach hatte er große Reisen unternommen. Zuerst alleine, dann mit der Familie. Sie waren in Europa, sie waren an einem kleinen Bergsee in den Anden. So hatte er sich das Leben immer vorgestellt.
Koushi war unsicher wie niemals in seinem Leben zuvor. Er zog sich zurück. Immer öfter fuhr er in die Berge und angelte. Die Anwesenheit von Menschen störte ihn. Er fragte seinen Chef nach einer Auszeit, worauf dieser ihm ein Jahr gewährte. In dieser Zeit veränderte sich Koushi. Er ging kaum noch aus dem Haus. Ihm wuchs ein Bart.
Für Hanako begann eine Bewährungsprobe. Niemals hatte sie an der Liebe zu Koushi gezweifelt. Nun wurde er ihr fremd. Den Fragen der Nachbarn nach ihrem Mann ging sie aus dem Weg. Wenn ihre Mutter anrief, nahm sie nicht ab. Obwohl es um Hanakos Herz kalt wurde, brach sie nicht mit Koushi. Ihre Liebe war zu stark, als dass sie erlosch.
Nach einem Jahr erschien Koushi mit drei Geschenken zum Frühstück. Eines gab er dem Sohn, eines der Tochter, eines Hanako. Sein Gesicht war glatt rasiert. Unsicher fragte er Hanako, ob sie mit ihm aufs Land ziehen wolle. Er habe sich entschieden, den Hof des Vaters weiterzuführen. Die Erleichterung, welche Hanako empfand, zeigte sich in den Tränen auf ihren Wangen.